Technik

Zufallsbild

Als Fotograf sollte man ein paar Begriffe und Fototechniken kennen, um gute Bilder zu machen. Natürlich gibt es auch an modernen Spiegelreflexsystemen einen Haufen von Vollprogrammen, bei denen die Kamera alles einstellt. Dennoch, wenn man wirklich gute Fotos machen will, sollten zumindest diese Basics in Fleisch und Blut übergehen.

• Blende

Die Blende ist so etwas wie die Pupille beim Auge. Sie bestimmt, wieviel Licht auf den Sensor der Kamera fällt. Dabei muss man sich die Blende als eine kleine Öffnung vorstellen, welche man in seiner Grösse verstellen kann. Je grösser diese Öffnung ist, desto mehr Licht fällt auch logischerweise auf den Kamerasensor. Zu erkennen ist die Grösse der Blendenöffnung an der Kamera an einem F, gefolgt von einer Zahl, wobei die Zahl die verschiedenen Blendenöffnungen angibt. Dabei wird diese Öffnung mit zunehmender Zahl immer kleiner, d.h. Blende F5.6 ist weiter offen als Blende F22.

Die Blendenreihe in ganzen Blendenschritten ausgedrückt sieht wie folgt aus:

1.4 → 2.0 → 2.8 → 4.0 → 5.6 → 8 → 11 → 16 → 22

Bei jedem nächst höheren Wert halbiert sich die einfallende Lichtmenge. An der Kamera gibt es noch feinere Abstufungen in halben bzw. drittel Stufen. In dunklen Situationen kann man also eventuell noch ohne Stativ aus der Hand fotografieren, indem man einfach eine grössere Blende wählt.

Aber nicht nur der Lichteinfall wird über die Blende geregelt, auch die Schärfentiefe wird von der Grösse der Blende beeinflusst. Die Schärfentiefe ist der Bereich vor und hinter dem fokussierten Motiv, welcher auf dem Bild hinterher scharf abgebildet wird. Eine hohe Schärfentiefe bildet z.B. das ganze Bild von vorne bis hinten scharf ab, wohingegen bei einer geringen Schärfentiefe nur ein kleiner Teil des Bildes scharf dargestellt wird und alles andere verschwindet in der Unschärfe. Die Schärfentiefe ist also ein sehr geeignetes Stilmittel, um den Blick des Betrachters auf das Wesentliche zu lenken und bei dem alles andere in der Unschärfe verschwimmt. Die Schärfentiefe ist im Übrigen umso grösser, je kleiner die Blendenöffnung ist. Bei F22 ist die Schärfentiefe also viel höher als bei F4.0.

Einstellen kann man die Blende an der Kamera in zwei Programmen: dem komplett manuellen Programm oder der Zeitautomatik, abgekürzt mit A oder Av (Aperture value, Aperture = Blende). In diesem Programm wird die Blende über das Wählrad eingestellt und die Kamera wählt dazu die passende Belichtungszeit. Ist diese zu klein, um noch ohne Stativ aus der Hand heraus zu fotografieren, muss man eben die Blende weiter öffnen, damit mehr Licht auf den Sensor fallen kann. Das bedeutet dann aber auch eine Vergrösserung der Schärfentiefe, was jedoch auch nicht immer erwünscht ist. In einem solchen Fall kann man noch die Lichtempfindlichkeit erhöhen. (weitere Infos hierzu unter Belichtung)

Zusammengefasst lässt sich also sagen: Je kleiner die Blendenzahl, desto kleiner die Schärfentiefe und desto grösser die Blendenöffnung.
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• Belichtungszeit

Die Belichtungszeit gibt an, wie lange die Blende offen ist und somit also auch, wie lange Licht auf den Sensor fällt. Allerdings kann hiermit nicht nur die Lichtmenge bestimmt werden, sondern mit der Belichtungszeit kann auch bestimmt werden, ob ein sich bewegendes Motiv scharf abgebildet wird oder eine leichte Bewegungsunschärfe aufgenommen wird. Angegeben wird die Zeit an der Kamera dabei in Sekunden, wobei ganze Zahlen ohne weiteren Zusatz Bruchteile von Sekunden angeben, z.B. 125 steht für 1/125 Sekunde und ganze Sekunden mit zwei Strichen, z.B. 5'' steht für 5 Sekunden.

Einstellen kann man die Belichtungszeit wie die Blende auch in zwei Programmen, zum Einen ebenfalls im komplett manuellen Programm und dann in der Blendenautomatik, abgekürzt mit T oder Tv (für time value). Hierbei gibt man der Kamera eine gewünschte Belichtungszeit vor, z.B. die maximale Zeit, mit der noch Bilder frei aus der Hand gelingen und die Kamera wählt die passende Blende dazu.

Jetzt habe ich schon öfters den Begriff frei aus der Hand erwähnt. Aber was kann man denn jetzt noch ruhigen Gewissens ohne Stativ frei aus der Hand fotografieren, ohne dass die Verwacklungen zu gross werden. Hierzu gibt es eine einfache Faustregel. Man sollte die Belichtungszeit immer kürzer als der Kehrwert der eingestellten Brennweite wählen, d.h. also bei einer Brennweite von 50mm, sollte die Belichtungszeit kleiner als 1/50 liegen. Hierbei übrigens aufgepasst: da es sich um Bruchzahlen handelt, wäre 1/60 kleiner und nicht 1/30. Hat man ein Objektiv mit Bildstabilisator, verlängert sich die Zeit ungefähr um den Faktor 3, d.h. bei vorheriger Brennweite wären das ungefähr 1/20. Die Werte hängen natürlich auch stark davon ab, wie ruhig die eigene Hand ist. Um ganz sicher zu gehen, erhöht man den durch die Faustregel erhaltenen Wert am besten um 2 bis 3 Stufen.

Selbstverständlich möchte man meistens, dass das fotografierte Objekt ganz scharf abgebildet wird, man also eine möglichste kleine Belichtungszeit wählt. Dadurch wird ein Bild dann praktisch eingefroren. Manchmal aber kann man mehr Leben in ein Bild bringen, wenn man es eben nicht einfriert. Ein sich drehender Propeller an einem Flugzeug z.B. wirkt eingefroren wie wenn das Flugzeug stehen würde, es also wie an Fäden aufgehängt ist und unrealistisch wirkt. Erhöht man hier die Belichtungszeit ein wenig, so dass der drehende Propeller nicht eingefroren, sondern durch die längere Belichtungszeit eine kleine Spur erzeugt wird, wirkt das Bild gleich lebendiger. Das menschliche Gehirn erkennt nun nämlich, dass sich der Propeller dreht. Wasserläufe z.B. erhalten durch eine längere Belichtungszeit einen wunderschönen sanften Schleier, der manchmal fast wie Nebel wirkt. Es ist also nicht immer perfekt, wenn man alles durch eine kurze Belichtungszeit einfriert.
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• Belichtung

Das mit der Belichtung ist nicht immer ganz einfach. Immer wieder bekommt man Bilder, bei dem einen die Belichtung so gar nicht gefallen will. Wie man darauf Einfluss nehmen kann, will ich hier kurz beschreiben. Ich bringe also etwas Licht ins Dunkel.

Prinzipiell kann man die Belichtung über 3 Haupteinstellungen steuern: Die Blende, die Verschlusszeit und die ISO-Zahl. Die ersten beiden habe ich ja schon angesprochen. Ist ein Bild zu dunkel, dann kann man entweder die Blende weiter aufmachen, was dann aber direkt Einfluss auf die Schärfentiefe hat oder die Belichtungszeit verlängern, was aber häufig bedeutet, dass man ein Stativ benötigt. Kann man beides nicht ändern, weil man eben zum Einen eine hohe Schärfentiefe will (also kleine Blende) und die Verschlusszeit auch nicht mehr viel länger machen kann, weil aus der Hand fotografiert werden muss, dann kann noch die Lichtempfindlichkeit des Kamerasensors verändert werden. Dies erreicht man über die ISO-Zahl. Diese ist noch ein Relikt aus analogen Zeiten, denn damals hatte man Filme mit verschienen ISO-Lichtempfindlichkeiten. Je nach Lichtsituation, musste dann immer der entsprechende Film einlegt werden, egal ob der aktuelle schon voll war oder nicht. Dies ist heute natürlich viel einfacher, denn man kann den ISO-Wert an den modernen Kameras einfach der Situation entsprechend einstellen.

Aber was bewirkt das jetzt genau? Je höher der eingestellte ISO-Wert ist, desto lichtempfindlicher wird der Kamerasensor und desto stärker reagiert er auf das einfallende Licht. Das bedeutet also, man ist dadurch in der Lage, auch bei wenig Licht noch mit kurzen Belichtungszeiten und kleinen Blenden zu arbeiten, ohne gleich ein Stativ zu benötigen. Leider gibt es selten Vorteile ohne Nachteile. Je höher die Lichtempfindlichkeit nämlich ist, desto stärker wird das Rauschen im Bild. Darunter versteht man störende Pixel in der Aufnahme, die bei höheren ISO-Werten immer stärker auftauchen. Natürlich kann man mit den modernen Kamerasystemen recht hohe ISO-Werte erreichen, ohne dass das Rauschen gleich zu bemerken ist und ausserdem haben die Kameras meistens noch Rauschreduzierungsprogramme. Dennoch sollte man immer versuchen, mit der kleinstmöglichen ISO-Einstellung zu fotografieren, um die maximale Bildqualität zu sichern. Zusammengefasst bedeutet das also, ist man in einer Situation, in der man mit der gewünschten Blenden-Belichtungszeit-Kombination keine ausreichend belichteten Aufnahmen erzielen kann, dann kann ein Erhöhen der ISO-Zahl den gewünschten Erfolg bedeuten.

Noch ein Tipp, wie man erkennen kann, ob ein Bild gut belichtet ist. Zum Einen kann man bei vielen Kameras eine Überbelichtungswarnung einstellen. Diese zeigt dann bei der Wiedergabe der Aufnahme im Display zu helle oder zu dunkle Bereiche an, die ausgefressen sind und in denen Bildinformationen verloren gehen, in denen also keine Zeichnung mehr zu sehen ist.

Noch genauer geht das ganze über das Histogramm. Ein Histogramm ist eine Kurve, in denen die Verteilung der Lichtwerte von dunkel bis hell angezeigt werden. (siehe die Bilder am Ende) Bei diesen Histogrammen sind auf der rechten Seite die dunklen Bildbereiche und auf der linken die Hellen. An Hand der Kurve kann man nun genau sehen, wie diese Werte in einer Aufnahme verteilt sind. In einem optimal belichteten Bild sollten die Histogrammhügel einigermassen gleich verteilt sein (letztes Bild). Schiessen hingegen die Spitzen am rechten oder linken Rand über die Skala hinaus, deutet dies auf eine Fehlbelichtung hin. Spitzen am linken Rand sind dabei ein Zeichen für Unterbelichtung und Spitzen am rechten für Überbelichtung. Die Spitzen zeigen an, dass wir im entsprechenden Bereich Bildinformationen verlieren und somit keine feine Abstufung der Werte und somit auch keine Zeichnung erhalten. Es säuft alles ab und im Bild wird nur noch Schwarz bzw. Weiss angezeigt. In diesem Fall sollte man dann noch einmal eine Aufnahme mit einer anderen Belichtung vornehmen. Allerdings muss das nicht immer so sein. In einer Wolke am Himmel z.B. will man meist eine schöne Zeichnung und kein komplettes Weiss. Bei einer Reflexion an einer Metallfläche kann man hingegen mit komplettem Weiss sehr gut leben, da hier keine wichtigen Informationen für das Bild verloren gehen. Es muss also von Situation zu Situation entschieden werden, was für einen wichtig ist.
verschiedenen Histogramme
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• Belichtungsautomatik

Damit die Kamera die richtige Belichtung einstellt, ermittelt sie die Helligkeit im Bild und stellt daraufhin die Belichtung ein. Dabei kann man der Kamera angeben, von welchem Anteil des Bildes sie die Helligkeitswerte ermittelt. Hierzu haben die meisten Kameras verschiedene Messmethoden.

  • Mehrfeldmessung
    Hierbei teilt die Kamera das gesamte Bild in Messfelder ein und ermittelt für jedes Feld die Belichtung. Es wird also das gesamte Bild in die Messung miteinbezogen.
  • Selektivmessung
    Bei der Selektivmessung wird nur ein kleiner Prozentteil des Bildes für die Belichtungsmessung in Betracht gezogen. Grob kann man sagen, dass diese Fläche etwas grösser ist als die Fläche des Mittelkreises im Sucher. Dadurch ist es möglich, das Hauptmotiv ohne den eventuell zu hellen oder dunklen Hintergrund auszumessen.
  • Spotmessung
    Hier entspricht die einbezogene Fläche nur noch der Fläche des Mittelkreises im Sucher. Dies ist eine punktgenaue Messung, um z.B. ein dunkles Objekt vor einem hellen Hintergrund zu fotografieren, ohne dabei Verluste in der Zeichnung im hellen Bereich zu erhalten.
  • Mittenbetonte Messung
    Bei dieser Messmethode wird die Mitte stärker in die Betrachtung der Belichtung einbezogen, als die äusseren Randbereiche. Bei unkritischen Lichtsituationen erhält man hiermit gute Ergebnisse.

Eigentlich liefert die Automatik in der Regel gute Ergebnisse. Dennoch gibt es Situationen, in denen sie in Schwierigkeiten gerät. Wenn z.B. der Grossteil des Bildes hell ist, das Hauptobjekt aber dunkel, wird die Kamera eher zu dunkel einstellen, da sie ja von einem sehr hellen Bild ausgeht. Umgekehrt läuft es, wenn man etwas helles in einem grossteils dunklen Bild aufnehmen will. Hier wird die Kamera eher zu hell einstellen, da sie die Einstellung nach dem dunklen Hauptteil ausrichtet. (zumindest gilt dies für die Mehrfeldmessung) In diesen Momenten muss die Kameraautomatik wieder manuell zurückgestellt werden. Dies geht ganz einfach, indem man die Belichtung an der Kamera um ein paar Blendenstufen zurücknimmt oder erhöht. Zu beachten ist dabei dann nur, dass genau umgekehrt zu dem vorgehen muss, wie man eventuell denkt. Wenn nämlich der Grossteil des Bildes hell ist, denkt man zunächst wahrscheinlich, dass man in dieser Situation unterbelichten muss. Es muss aber genau das Gegenteil gemacht werden, d.h. also eine Überbelichtung von z.B. +1 Blende, da die Kamera ja wegen der Helligkeit des gesamten Bildes eher zu wenig belichtet. Besitzt das Bild dagegen viel dunkle Fläche, dann muss unterbelichtet werden, denn die Kamera belichtet eher zu hell. Eine andere Möglichkeit hierbei wäre natürlich, dass man auf die Selektiv- oder Spotmessung umstellt und auf den Punkt ausrichtet und belichtet, der für die Aufnahme die wichtigsten Lichtinformationen bietet (also das helle Motiv vorm dunklen Hintergrund bzw. das dunkle vorm hellen)
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• Weissabgleich

Noch so ein Begriff, der in der Fotografie immer wieder fällt, bei dem aber nicht jeder weiss, um was es hier eigentlich geht. Eigentlich geht es dabei um nicht viel anderes als die Tatsache, dass weiss zumindest für die Kamera nicht immer gleich weiss ist. Dies kann man ganz einfach erklären. Wenn man eine weisse Zimmerwand bei Tageslicht, bei Kerzenlicht und bei Kunstlicht betrachtet, ist unser Gehirn so intelligent, dass es die Wand immer als weiss empfindet. Nimmt man aber bei diesen Lichtsituationen jeweils ein Bild der Wand mit der Kamera auf, so wird die Wand auf jedem Bild in einer anderen Farbe erscheinen. Die Kamera kann das, was unser Gehirn leistet, eben nicht. Aus diesem Grund müssen wir der Kamera sagen, was weiss ist bzw. welche Lichtsituation gerade herrscht. Genau das erledigt der Weissabgleich. Wenn man mal in das Menu des Weissabgleiches schaut, sieht man verschiedene Modi. Bei meiner 60D sind dies z.B. Automatisch, Tageslicht, Schatten, Wolkig, Kunstlicht, Leuchtstoff, Blitz, Manuell und Farbtemperatur. Dazu stehen in Klammern noch Zahlen wie z.B. 5200K. Dies ist die Angabe der Temperatur in Kelvin. Licht und seine Farben haben nämlich unterschiedliche Temperaturen und diese wird in Kelvin, kurz „K“ angegeben. Dabei hat rotes Licht eine geringere Temperatur als blaues. Das liegt an der Energie des Lichts. Darauf möchte ich hier aber nicht eingehen, sonst wird es zu theoretisch.

Nun kann man also in der jeweiligen Lichtsituation den Weissabgleich einstellen oder man überlässt es der Kamera, dies automatisch zu machen, was meistens zu guten Ergebnissen führt. Es kann aber sein, dass die aktuelle Lichtsituation mit keinem der Programme zu guten Ergebnissen führt. Für diese Fälle gibt es den manuellen Weissabgleich. Hierzu fotografiert man in der entsprechenden Lichtsituation eine weisse Fläche und anschliessend sagt man der Kamera im entsprechenden Menu, dass das eben aufgenommene Bild eigentlich weiss sein sollte. Die Kamera erledigt daraufhin alle notwendigen Einstellungen. Wenn man also bei Kunstlicht eine Party fotografiert und man einen falschen Farbeindruck auf allen Bildern verhindern will, sollte man sich unbedingt irgendwo eine weisse Wand suchen und einen manuellen Weissabgleich durchführen.

Wer übrigens im RAW-Format fotografiert, kann den Weissabgleich auch im Nachhinein bei der digitalen Entwicklung des Bildes ändern.
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• Bildaufteilung

Um schöne Aufnahmen zu erzielen ist es wichtig, die bereits angesprochenen technischen Vorgänge zu kennen. Aber all dies nutzt nichts, wenn man beim Fotografieren selber gewisse Dinge nicht beachtet. Natürlich kann ich an dieser Stelle nun keine ausführliche Erklärung sämtlicher Parameter geben, welche ein gutes Bild ausmachen. Aber ich kann zwei, drei grundlegende Sachen ansprechen, die eigentlich bei fast jedem Bild berücksichtig werden sollten.

Da wäre zum Einen die Bildaufteilung. Viele Fotografen schiessen einen Haufen Bilder und wundern sich zu Hause, warum keine der Aufnahmen in irgendeiner Weise begeistern kann. Dies liegt oft daran, dass man die Bilder zentriert angeordnet hat. Das Motiv ist genau in der Mitte plaziert und auch der Horizont verläuft genau in der Mitte des Bildes. Mit einer solchen Anordnung kann man jedes Bild zerstören. Viel besser ist es, wenn man die Objekte aus der Mitte heraus plaziert und der Horizont zudem durch das obere bzw. untere Drittel des Bildes verläuft. Ein Wort, welches dabei immer wieder fällt, ist der Goldene Schnitt. Dieser sagt eigentlich nichts anderes aus, als das man das Bild senkrecht und waagrecht in drei Abschnitte unterteilt, das Hauptmotiv auf einen der vier Drittelschnittpunkte setzt und den Horizont auf der oberen oder unteren Linie verlaufen lässt. Auf diese Weise entstehen spannende Bilder. Ein weiterer wichtiger Punkt ist es, das Auge des Betrachters durch Linien im Bild zu führen. Diese verlaufen am Besten von einer Ecke des Bildes in die andere. Für diese Führungslinien eignet sich dabei fast alles, seien es Strassen oder Wege, Geländer oder sonstige Kanten.

Zuletzt sollte man nicht zu viel auf einem Bild haben, da das Bild ansonsten hektisch und aufgeregt wirkt. Besser ist es, das Augenmerk auf wenige Punkte zu richten und den Rest durch Unschärfe auszublenden. Auch eine Schwarzweissaufnahme bietet durch Entfernen der Farbinformationen mehr Ruhe und Konzentration auf das Wichtige.

Was ebenfalls ganz wichtig ist, ist einen ungewöhnlichen Standpunkt zu wählen. Dabei reicht es oft schon aus, einfach mal in die Hocke zu gehen oder sich flach auf die Strasse zu legen. Dadurch bietet sich nämlich dem Betrachter eines Fotos ein Blickwinkel, wie er ihn selber nie hatte. Eine Blumenwiese aus dem Stand heraus von oben fotografiert ist langweilig, denn so kennt sie mittlerweile jeder. Aber wer hat sich denn jemals in die Wiese gelegt, um die Blumen aus dieser ungewöhnlichen Position heraus zu betrachten? Die Wenigsten. Wenn ich mir also diese Mühe mache, erstelle ich ein Bild, wie es kaum einer kennt und ich erreiche eine besondere Wirkung. Ich gebe zu, gerade am Anfang ist das nicht so leicht. Es kostet schon Überwindung, sich in der stark frequentierten Fussgängerzone einfach mal auf den Boden zu legen um interessante Fotos zu machen. Man wird selbstverständlich einige blöde Blicke ernten. Aber als Fotograf muss man gerade in diesen Situationen die Umwelt ausblenden, sich alleine fühlen und nur auf das Bild fokussiert sein. Nur so gelingen spannende und ungewöhnliche Aufnahmen. Bei diesem Ausblenden der Umwelt kann im Übrigen ein MP3-Player mit seiner Lieblingsmusik wahre Wunder wirken.

Wie so oft bei Regeln, ist es natürlich auch bei der Fotografie so, dass man immer wieder davon abweichen muss, wenn man erfolgreich sein möchte. Das heisst, diese Regeln sind nur Anhaltspunkte für gute Fotos. Sie sind aber keine unumstösslichen Gesetze, die niemals missachtet werden dürfen. Ich kann nur empfehlen, sich viele anderen Fotos an zuschauen und zu überprüfen, ob die eben erwähnten Regeln angewendet wurden. Man wird sehen, dass meistens mindestens eine davon beachtet wurde. Aber man wird auch immer wieder auf Bilder stossen, für die dies nicht gilt. Letztendlich gibt es nur eine unumstössliche Regel in der Fotografie. Bilder sollen gefallen, egal wie dies erreicht wird.
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• JPEG oder RAW oder DNG

Die Wahl des Aufnahmeformates ist für mich mittlerweile keine Glaubensfrage mehr. Für mich kommt einfach nur noch RAW bzw. DNG in Frage. Aber dennoch will ich kurz erläutern, um was es bei dieser Frage eigentlich geht.

Wenn man digital fotografiert, muss man sich entscheiden, in welchem Format die Bilder gespeichert werden. Das bekannteste und bis vor einigen Jahren auch meist verbreitete Format war dabei JPEG. Das Bild wird aufgenommen und in der Kamera werden gewisse Bildinformationen festgelegt, damit man den Rest wegwerfen kann und die Dateigrösse somit klein halten kann. Die Kamera entwickelt das Bild also in bestimmten Punkten schon von selbst. Der Vorteil dabei ist, dass die Dateigrösse durch die wegfallenden Informationen relativ klein ist und das Bild im Nachhinein nicht mehr bearbeitet werden muss, man also sofort ein ansprechendes Bild hat, wenn man dieses auf den Rechner überträgt. Das ist natürlich nicht schlecht. Allerdings fehlen nun aber auch Informationen, die jetzt auch nicht mehr oder nur in kleinem Ausmass zurückgeholt werden können. Natürlich kann man auch ein JPEG-Bild noch bearbeiten, aber in gewissen Bereichen eben nur noch eingeschränkt. Hier hängt nun das RAW-Format ein. Bei diesem Format werden prinzipiell einmal alle möglichen Informationen mit dem Bild zusammen gespeichert. Die Kamera setzt ausser Blende, Belichtungszeit und Lichtempfindlichkeit keine Werte fest, d.h. das Bild wird nicht schon teilentwickelt. Dies führt natürlich zu sehr grossen Dateien und auch zu der Tatsache, dass die Bilder frisch von der Kamera nicht gut aussehen. RAW-Dateien müssen also unbedingt im Nachhinein mit den entsprechenden Programmen bearbeitet, sozusagen digital entwickelt, werden. Dafür kann man aber sehr viel aus dem Bild heraus holen. Der Weissabgleich kann nachträglich geändert werden, helle bzw. dunkle abgesoffene Bereiche lassen sich reparieren und es können einige technischen Fehler, die bei der Aufnahme gemacht wurden, im Nachhinein repariert werden.

Auch wenn die Dateigrösse viel grösser ist als bei JPEG, fotografiere ich mittlerweile nur noch im RAW-Format. Speicher ist in der Zwischenzeit recht billig geworden und die Chance, Bilder nachträglich noch in allen Bereichen zu bearbeiten, haben mich von diesem Format überzeugt. JPEG benutze ich eigentlich nur noch, wenn ich die typischen Partybilder von Omas 80sten mache, da ich dort eher weniger im Nachhinein noch entwickeln möchte, sondern, da es sich meist nicht um künstlerische Meisterwerke handelt, die Bilder gleich präsentieren möchte. Meistens fotografiere ich in diesen Situationen aber in JPEG und RAW, denn es könnten ja besondere Bilder vorhanden sein, bei denen ich im Nachhinein froh bin, wenn ich doch noch etwas aus ihnen herausholen kann. Natürlich ist JPEG kein schlechtes Format und natürlich kann JPEG auch noch bearbeitet werden, dennoch gebe ich persönlich RAW mittlerweile den Vortritt.

Meine RAW-Dateien von meiner Canon konvertiere ich übrigens gleich beim Import in das DNG-Format, einem offenen Standard von Adobe. Das Canon-Format ist ein Kamerainternes Format, bei dem man nie weiss, ob dies nicht irgendwann vom Markt verschwindet. Da DNG genau das gleiche kann, mir aber durch den offenen Standard auf die Zukunft hin gesehen die grössere Formatsicherheit gibt, habe ich mich für das Konvertieren entschieden. Natürlich weiss ich auch, dass es nie eine hundertprozentige Datensicherheit geben wird.
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zur Technik

Ich kann an dieser Stelle natürlich keine ausführliche und bis ins letzte Detail gehenden Erklärungen zur Technik geben. Die Texte sind eher dazu da, einen ersten Einblick in die Fototechnik zu erhalten und die grundlegenden Begriffe einmal kurz zu erklären. Wer ausführlichere Infos möchte, soll sich diese bitte aus entsprechenden Büchern oder Videos holen. Auch das Internet ist eine wahre Fundgrube hierzu.

Natürlich soll Fotografieren in erster Linie Spass machen und da möchte man sich nicht mit so trockenen Details abmühen. Aber nur wer diese Basics kennt, beherrscht und richtig anwenden kann, wird am Ende zu sehr guten Fotos kommen. Von daher sollte also jeder einmal etwas über Blende, Belichtungszeit und Co gehört haben.

© 2013 Tobias Stiebeiner

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